Apocalypse: Stinkendes SOS

Sul Sul!

Elena North hier.

Ja, ich bin jetzt frisch und sauber,

aber für eine sehr lange Zeit

hatten meine direkten Nachkommen sehr selten dieses Gefühl.

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Mein Enkelsohn Leo hatte beschlossen,

sein Leben eben diesem zu widmen,

was schon seine Tante Celina vor ihm versucht hatte:

Ein SOS nach draußen zu senden,

damit die Welt erfuhr,

wie schlimm es um Glassbolt stand.

wir brauchten Medikamente, medizinische Versorgung,

und, am Allerdringendsten, sauberes fließend Wasser.

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Nur um zu rekapitulieren:

Leo North war das zweite Kind meiner Tochter, Carolin.

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Er wuchs in unserer postapokalyptischen Welt auf,

in unserem bescheidenen kleinen Bunker,

und war trotzdem ein recht frohes Kind.

Er sah gerne seinem Vater Florian und seinem Onkel Fabio

beim Schachspielen zu.

Natürlich konnte er es auch selber spielen.

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Aber wie seine große Schwester Marina spielte er am liebsten mit dem Puppenhaus.

Ich hatte es einst in den frühen Tagen im Bunker gebaut,

um späteren Generationen beizubringen,

wie das Leben früher – vor dem Atomunfall – einmal war.

In Märchen und Geschichten lebte diese Vision nun weiter.

Und führte meine Familie zurück zu diesem Zustand…

… oder zumindest konnten sie noch davon träumen.

Sie dazu inspirieren, aus den Märchen wieder eine lebendige Realität zu machen.

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Leo war gut darin, alle Kinderfähigkeiten zu lernen…

seine Eltern und Marina halfen ihm dabei,

schreiben, lesen, rechnen und alle anderen Dinge zu begreifen,

die ein Kind im Bunker können und wissen musste.

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Die Tage vergingen, mit essen, schlafen, spielen, einfach existieren…

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Dann wurde er zum Teenager.

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Ihr ganzes Leben lang hatte seine Tante Celina versucht,

ein SOS an die Außenwelt zu senden.

Aber sie wurde alt…

und niemand hörte sie, bekam ihre Hilferufe im Netz mit.

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Der Teenager Leo spielte meistens Schach mit seiner Schwester Marina…

viel anderes Unterhaltsames gab es im Bunker nicht.

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Leo war Zeuge des Ablebens von seiner Tante Celina, seinen Eltern, und seines Onkels..

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Als er älter wurde, sah er sich als „Celinas Erbe“.

Immer öfter setzte er sich an den Computer, schrieb weiter an den Artikeln seiner Tante,

um zu zeigen, wie schlecht die Situation in Glassbolt wirklich war.

Die Medien rund um den Globus hatten die Ereignisse einfach weichgezeichnet,

und so getan, als wäre nichts Schlimmes passiert.

Niemand wusste, wie sehr wir alle litten,

und dass wir nicht einmal sauberes Trinkwasser hatten.

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Leo liebte Grillkäse.

Und er mochte es, die alten Schinken in unserem Bücherregal zu lesen,

wieder und wieder.

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Nachdem Marina mit Akira drei Kinder bekommen hatte,

versuchte Leo, die drei übermütigen Kleinkinder einfach zu ignorieren –

sofern das überhaupt möglich war in unserem kleinen Bunker.

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Leo konzentrierte sich auf seine Arbeit als Journalist.

Was ihm eine Gelegenheit gab, raus auf die Straße zu gehen und Leute zu interviewen.

Natürlich immer in der Gefahr, einem Zombie zu begegnen.

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Er schrieb Artikel um Artikel, aber niemand schien sie zu bemerken.

Was konnte er noch tun?

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Er starb, ohne dass es jemand mitbekam,

am Alterstod.

 

 

Ruhe in Frieden, Leo.

Mein Enkelkind.

Zumindest in der Geisterwelt bist du nun immer sauber und glücklich.

 

Lasst mich ein wenig ruhen und mein Lieblingsspiel spielen.

Ein bisschen sinnlos Zeit verschwenden.

Ich bin gleich zurück,

um die Geschichte meiner Familie weiter zu erzählen.

Bis dann verbleibe ich,

herzlichst, eure

Elena North

 

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