Durchgeknallt

 

Ein Auszug aus meiner derzeit laufenden Arbeit.

Weil durchgeknallt sein manchmal besser ist als stinknormal.
Für die ganze Arbeit: schreib an kirancilla@gmail.com

 Durchgeknallt

Mein Leben mit einer bipolaren Erkrankung

 

 

 

 

 

 

 

Kirancilla

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wenn du immer versuchst, normal zu sein, wirst du nie wissen, wie absolut unglaublich und fantastisch du wirklich sein kannst.“

(Maya Angelou)

 

 

„Wo immer unser Geist nicht von Liebe erfüllt ist, hat er einen Hang zum Wahnsinn.“

 

(Marianne Williamson)

 

 

 

„Ein Verrückter ist jemand, dessen ganze Welt auf ihn selbst beschränkt ist. Er ist Sprecher und Zuhörer, Agierender und Zuschauer, alles in einem. Seine ganze Welt ist auf ihn beschränkt. Er hat sich in viele Teile gespalten, er ist völlig zersplittert. Das ist der Grund, warum die Menschen solche Angst haben vor der Stille: weil sie wissen, dass sie auseinanderbrechen könnten.“

 

(Osho)

 

 

 

„Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe.

Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.“

 

(Friedrich Nietzsche)

 

 

 

 

Intensiv

 

 

Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommen würde. Ich wollte doch nur leben. Nur leben. Intensiv. Ich wollte ein intensives Leben. Und jetzt? Jetzt komme ich auf die Intensivstation. Ironie?

Verzweifelt zerre ich an den Handschellen. Sie tun mir weh, schneiden in meine Handgelenke, die hinter meinem Rücken gefesselt sind. Ich werde abgeführt, abtransportiert wie eine Schwerverbrecherin. Inzwischen schreie ich nicht mehr. Ich habe keine Kraft mehr. Ich beobachte die Lichter außerhalb des Wagens, Irrlichter in der Nacht; eine vertraute Landschaft, seit Jahren bekannt und jetzt doch verfremdet, verzerrt.

Irgendwann kommen wir auf die Autobahn. Ich weiß nicht, wie lange wir fahren, aber irgendwann erkenne ich die Landschaft nicht mehr. Mein Verstand weiß, wohin ich gebracht werde, aber er sitzt gerade auf seinem kleinen Thron und macht sich lustig über mich. Die anderen Teile von mir wollen es nicht glauben. Dort gehöre ich doch nicht hin. Niemals!

Wir biegen um eine Kurve und fahren eine Anhöhe hinauf. Dann plötzlich hält der Wagen.

Ich liege auf einem weißen Bett, in einem weißen Raum, um mich weiß gekleidete Menschen. Bin ich im Himmel? Ich weiß, dass ich es nicht bin. Sie sprechen zu mir. „Wer sind Sie?“ Ja, wer bin ich? „Wissen Sie, wo Sie sind?“

Ich habe einen minzgrünen Pyjama an. Ich bin müde, so müde. Dabei bin ich gerade erst aufgewacht. Wie kann ich so müde sein? Ich trotte hinter der Schwester her. Auf einem Tablett steht Essen, mein Name auf einem kleinen Schildchen. Ich schlinge das Essen hinunter, ohne es zu schmecken. Dann wanke ich zurück zu meinem Bett. Es steht im Flur. Nur schlafen. Schlafen. An den Wänden sind Bilder in Rot. Sie sind hässlich. Ich hasse rot.

Ich muss Tabletten schlucken. Ich will nicht. Mir ist nicht schlecht, nicht heiß, nicht kalt. Ich musste noch nie so viele Tabletten schlucken.

 

Ich liege auf der geschlossenen Intensivstation einer Nervenheilklinik.

 

 

Ich bin Kirancilla und bin seit heute offiziell psychisch krank.


Wie kam es dazu?

(ein Auszug aus „Durchgeknallt“ und „Kiran. Die Enthüllung einer Seele“)

 

Nun also. Sie war also wieder „zu Hause“. Wir sind wieder am Anfang meiner Erzählung. Ende der Geschichte. Könnte man meinen. Doch dem war nicht so. Ihre Reise ging weiter bis ins Valle de Luna, das Tal des Mondes. Eine bekannte Nervenheilanstalt oder – respektloser ausgedrückt – ein Irrenhaus. Wieso das? Eigentlich bin ich ja kein Koch… dennoch: Wie dieses Mädchen zu einer offiziell Verrückten wurde, möchte ich Ihnen an einem Rezept erklären. Also denn:

 

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Schritt für Schritt ins Valle de Luna

Eine Anleitung zum Verrücktwerden

 

 

 

Zubereitungszeit: 5 Jahre

 

Zutaten:

 

Ein leicht zu begeisterndes Mädchen ohne viel Erfahrung in der Liebe

Eine magische Stadt

Eine Zaubersprache

Eine Gruppe von dummen Mädchen

Ein quirliger Lehrer

Ein faszinierender junger Mann

Ein faszinierender alter Mann

Zwei Weise (ein Mann; eine Frau)

Ein gewöhnlicher Mann

Ein außergewöhnlicher Mann

Ein seltsamer Arzt

Weitere Verrückte nach Belieben

 

 

Vorbereitung:

 

Begeistern Sie das junge Mädchen für die Zaubersprache. Lassen Sie es vom quirligen Lehrer unterrichten und bringen Sie es gemeinsam mit der Gruppe dummer Mädchen in die magische Stadt. Dort lassen Sie es den faszinierenden jungen Mann treffen und zum faszinierenden alten Mann bringen, um von den zwei Weisen zu hören.

 

Ab diesem Zeitpunkt beträgt die eigentliche Zubereitung etwa fünf Jahre.

 

 

Zubereitung:

 

5 Jahre vorher

 

  1. Das Mädchen verliebt sich Hals über Kopf in den faszinierenden jungen Mann.
  2. Das Mädchen schenkt dem jungen Mann ein Gedicht; er revanchiert sich mit einem Liebesbrief.
  3. Das Mädchen lässt sich überreden, mitten in der Nacht zur Burg der magischen Stadt zu wandern.

 

Achtung! Nun wird es kritisch. Das gesamte Rezept hängt davon ab, wie das Mädchen sich nun mit dem faszinierenden jungen Mann vereinigt. Machen Sie es hochromantisch – und sehr leidenschaftlich.

 

Lassen Sie die Mischung nun zwei Jahre ruhen. Wasser und Öl (das Mädchen und der junge Mann) werden sich langsam voneinander lösen; das Mädchen beendet erfolgreich die Schule und beginnt zu studieren – zieht um in die große Stadt, während der faszinierende junge Mann weiter in der Zauberstadt lebt. Die physische Entfernung geht mit einer immer offensichtlicher werdenden emotionalen Entfernung einher. Enttäuschungen. Das Mädchen wird untreu.

 

2 Jahre vorher

 

Schöpfen Sie ab: Trennen Sie vorsichtig das junge Mädchen vom faszinierenden jungen Mann. Achtung! Nehmen Sie keinen klaren Schnitt vor. Das Mädchen muss verliebt bleiben.

 

Ende März lassen Sie das junge Mädchen den gewöhnlichen Mann kennen lernen. Mitte April bringen Sie sie dazu, sich mit ihm zu vereinen. Bringen Sie sie im Sommer endgültig zusammen und legen Sie den faszinierenden jungen Mann beiseite.

 

Versuchen Sie nun über ein Jahr hinweg, die Verbindung zum gewöhnlichen Mann möglichst eng zu halten. Das wird nicht leicht sein, denn eigentlich sind die beiden viel schwerer zu mischen als Öl und Wasser…

 

6 Monate vorher

 

Heiratsantrag. Dies ist ein sehr kritischer Punkt. Machen Sie es so schlampig und unromantisch wie möglich. Das junge Mädchen muss weinen und annehmen, aber weiter vom faszinierenden jungen Mann träumen, der sich nicht so mit ihr binden wollte, nicht einmal für sie in die große Stadt kam. Sie denkt oft an ihn; vor allem beim Yoga.

 

3 Monate vorher

 

Lassen Sie die Verbindung zum gewöhnlichen Mann langsam abkühlen, bis sie unstabil wird und erste Zweifel auftauchen. Trennen Sie die beiden nun und führen Sie das junge Mädchen vorsichtig wieder näher zum faszinierenden alten Mann. Lassen Sie ihn dem jungen Mädchen sagen, dass der junge Mann eine neue Verbindung eingegangen ist.

 

1 Monat vorher

 

Lassen Sie das junge Mädchen einen letzten Versuch unternehmen, den faszinierenden jungen Mann wiederzugewinnen. Der einzige Weg ist ein Brief.

 

 

Brief an meinen Geliebten

 

Hallo, hier ist Kiran, das Mädchen, das Dich öfters anrief und besuchte, erinnerst Du Dich? Nun, das ist lange her, und andere Männer sind durch mein Leben gezogen, sogar einer, der mich heiraten wollte (Guille), und ich habe Ja gesagt.

 

Aber beim Lesen von „Savitri“, besonders die Bücher 6 und 7, Du kennst sie ja… ich weiß nicht. Ich schätze, ich hätte dabei an ihn denken sollen. Aber nein. Ich dachte an Dich. Guillermo ist ein fantastischer Mann, voller Liebe und Zärtlichkeit. Ich hätte glücklich mit ihm sein können, wenn Du nicht gewesen wärst. Trotz allem, was er mir gab, immer fehlte etwas. Mir fehltest Du. Mein Schatten; mein zweites Ich.

 

Ich kann ihn nicht heiraten; meine Seele hat bereits einen Gefährten. Und das kann ich nicht ändern, nicht mal wenn ich es wollte. Wir haben das vor langer Zeit entschieden.

 

Ich weiß nicht, wie Du nach allem darüber denkst. Ich will Dich nur an ein paar Dinge erinnern, von denen ich glaube, dass sie in Vergessenheit geraten sind; und dort sollten sie nicht sein.

 

Erinnerst Du Dich daran, als Bloom sagte: „Liebhaber kannst du überall finden. Wir sind deine Freunde.“? Warum haben wir zugelassen, dass diese Bande zerstört wurden?

 

Ich schätze, es ist meine Schuld. Es gab Missverständnisse. Ich habe Dich missverstanden und habe es nicht gewagt, es Dir zu sagen. Heute weiß ich, dass, wer einen Fehler begeht und ihn nicht ausbessert, einen weiteren Fehler begeht. Vielleicht ist es jetzt schon zu spät, um ihn auszubessern; aber trotzdem will ich es versuchen.

 

Erinnerst Du Dich an die Granadinischen Nächte? Das Gedicht, das Du mir geschrieben hast? Unsere Blicke? Was ist mit alldem passiert? Wohin sind all diese Gefühle geflohen? Warum haben wir zugelassen, dass sie sich verlieren? Wie haben wir unseren Schatz verloren?

 

Mein Liebster, mein wahrer Geliebter:

Ich habe nie aufgehört, Dich zu lieben.

Ich liebe Dich, noch immer.

 

Ich muss zugeben, als ich Bloom Anfang dieses Jahres gesehen habe und Ihm das mit meiner Verlobung gesagt habe, sah Er nicht gut aus. In Wahrheit hat es mich erschreckt. Er sah für mich plötzlich alt und irgendwie verbittert aus. Ich weiß nicht. Ich nehme an, Er erwartete sich einfach nicht mehr, dass ich auftauchte. Aber das habe ich getan. Und als Er mir mit müder Stimme sagte: „du weißt, was du tust… liebst du ihn? Bist du glücklich?“, habe ich Ihn angelogen und gesagt, ja, sehr glücklich. Aber als Er mir das mit dem anderen Mädchen erzählte, bekam ich eine rasende Eifersucht. Warum sie und nicht ich? Ich konnte es nicht glauben. Bis hierher sind wir also gekommen; jeder auf seinem Weg, getrennt, und schweigsam.

Verdammt, es ist eine Lüge. Eine verdammte Lüge. Du solltest es wissen.

 

Ich bin nicht glücklich ohne Dich. Wir müssen diese Beziehung retten, unsere und unsere gemeinsame mit Ihm. Unsere kleine persönliche Dreifaltigkeit. Ich glaube, es ist einfach nötig. Für uns, und für Ihn.

 

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Traum; und ich weiß, es war eine Nachricht von meiner Seele. Ich habe ihn bereits interpretiert und mir wurde klar, dass ich mit Dir sprechen musste, ohne mehr Zeit zu verlieren.

 

Mein Liebster; erinnere Dich an das, was wir sind; erinnere Dich an das, was wir waren. Und sag mir, ob Du eine Zukunft siehst, und welche.

 

 

 

In Liebe,

Kiran

 

 

 

 

 

1 Woche vorher

 

Lassen Sie die Mutter des jungen Mädchens in der Zeitung eine interessante Stelle für das Mädchen finden und sorgen Sie dafür, dass

  • das junge Mädchen sich erfolgreich bewirbt und
  • dass das junge Mädchen in einer Woche (also für nächsten Mittwoch) zum Vorstellungsgespräch geladen wird.

 

Nacht vorher

 

Bereiten Sie dem jungen Mädchen eine möglichst schlaflose Nacht, indem es:

  • aufgeregt ist wegen des morgigen Gesprächs
  • traurig ist, weil sie immer noch keine Antwort auf den Brief hat
  • an den faszinierenden jungen Mann denkt
  • an den faszinierenden alten Mann denkt
  • an die Lehre der zwei Weisen denkt
  • sich schließlich sehr lange Zeit selbst befriedigt und schließlich erschöpft einschläft.

 

Tag X (Mittwoch)

 

  1. Das junge Mädchen wacht früh auf; duscht, föhnt sich die Haare, schminkt sich, bereitet sich vor. Sie nimmt noch ein wenig Aura-Soma, Flasche 4, das sie in den letzten Tagen exzessiv benutzt hat.
  2. Der Vater fährt das junge Mädchen zur Firma; dabei nimmt er einen langen Umweg (sie haben viel Zeit) und die beiden sprechen über Wichtiges und Unwichtiges.
  3. Lassen Sie das Bewerbungsgespräch vom außergewöhnlichen Mann durchführen; dabei blickt er dem Mädchen ständig durchdringend in die Augen und macht sie ganz nervös (im Idealfall sind sie strahlend blau und bringen das junge Mädchen ganz aus dem Konzept).
  4. Schließlich entspannt sich das junge Mädchen und erzählt vieles, auch für das Gespräch eigentlich Unwesentliches; es läuft gut. Man will sich das Ganze noch überlegen, doch das junge Mädchen verlässt das Gebäude mit einem guten Gefühl.
  5. Das junge Mädchen ist übermütig und stimmt dem Vorschlag der Schwester zu, in die Berge zu gehen. Gemeinsam mit dem Vater fährt sie wieder heim und sie bereiten alles für die Wanderung vor (es ist noch nicht Mittag).
  6. Der Ausflug ist sehr schön. Die Schwester marschiert rasch voran, der Vater schreitet kräftig aus und erzählt von Kühen und Menschen. Es geht steil bergauf; das junge Mädchen schnauft heftig und beginnt leicht zu halluzinieren: bei einer Tafel für einen Gestorbenen „fühlt“ sie sich plötzlich, als wäre ein guter Freund von ihr gestorben; wahrscheinlich der faszinierende alte Mann, von dem sie gestern Nacht geträumt hat.
  7. Oben angekommen hört das junge Mädchen der Unterhaltung kaum zu; kaum dass sie sitzt, schläft sie fast ein. Während der Wanderung merkte sie kaum, wie müde sie war, doch nun muss der Vater sie immer wieder anstupsen, damit sie aufrecht und mit offenen Augen sitzt.
  8. Der Vater und die Schwester sammeln beim Abstieg Blumen; auch das junge Mädchen nimmt ein paar mit. Die Idee kommt auf, der verstorbenen Großmutter einige davon aufs Grab zu bringen.
  9. Zuhause angekommen nimmt das Mädchen, erschöpft von der Wanderung und schon etwas verwirrt durch die vielen Eindrücke des Tages, fünf Vasen und teilt die Blumen darauf auf. Sie achtet auf die Sorten und die Anzahl; sieben müssen es sein.
  10. Das Mädchen macht einen Spaziergang über die Felder; ungeordnete Erinnerungen brechen über sie herein. Eine Halluzination beginnt.

 

An was ich mich erinnern kann

 

O Ma

ich rufe dich

ich weiß, du bist nicht tot

nur schlafend in deinem Grab

Seinerzeit wirst du auferstehen

Wenn die Zeit gekommen ist

werden alle Zweiten sterben

die Dritten auf ihren Platz verwiesen

und die Ersten werden sich mit den Letzten verbünden

Vier Bäume stehen hinter unserem Haus

der erste ein Apfelbaum

genauso alt wie ich

Die Äpfel sind noch unreif

pfui, sauer

doch Eva muss

in den Apfel beißen

ich lege ihn nieder

unter dem vierten Baum

schüttle den zweiten

und nehme einen Ast aus dem dritten

breche ihn in sieben Teile

einer fällt hinunter

einen nehme ich mit, den dicksten

fünf lege ich im Wald auf einen Baumstumpf

Fünf Frauen sind wir

und zwei Männer

Ich rufe nun

die fünf Frauen

verstreut sind sie

auf der ganzen Welt

Die eine bin ich, ich bin schon hier

Susanne, komm

O Ma, komm

nimm deinen Platz ein

Es fehlen noch zwei

Naina Carolina

Eshana Valeria

meine beiden Töchter

noch ungeboren

Ich wandere weiter

bis zum Güllefass

dort kicke ich hinein

mein Bruder wird später

noch Gülle ausfahren

verflucht sei er

ich hasse diesen Gestank

genauso wie ihn

doch bald wird sich entscheiden

er oder ich

Ich wandere langsam

wieder nach Hause

und rufe unsere Nachbarn an

ich will mit Jasmin sprechen

einer verwandten Seele

zehn Tage nur älter als ich

doch niemand hebt ab

Dann rufe ich bei der Firma an

wo ich heute war

und spreche auf das Band

“Ich bin bereit, Ihr Lehrling zu sein.”

Ich dusche, reinige mich sehr gründlich

 

Dann gehe ich nach oben

und ziehe mich um

ziehe das Beste an, das ich habe

schwarze Hose

schwarze Bluse mit silbernen Streifen

und hohe Schuhe

wie heute morgen

Ich nehme den Strauß

und gehe ins Wohnzimmer

wo meine Eltern sind

frage sie, ob wir noch auf den Friedhof gehen

die Blumen bringen

doch sie sagen, erst in einer Woche

“bis dann sind sie verwelkt”

nein, sie werden immer noch schön sein

“wie du meinst”

nimm den Türkenbund heraus

und stell ihn in den Schatten

den Strauß aber

stell in die Küche

Das mache ich

und nehme den vierten Strauß

und den dritten

dort gebe ich den Türkenbund hinein

und stelle die beiden Sträuße

in den Schrank, den meine Oma mir schenkte

mit meinem Namen eingraviert

 

Dann weiß ich nicht mehr viel

nur kurze Fetzen

 

Oma lebt

doch mein Bruder ist tot

 

Du bist ein Skorpion

doch der Aszendent ist Zwilling

du wirst immer denken

es sei Wassermann

doch es ist Zwilling

auf der anderen Seite

 

Heute ist dir alles ein Rätsel

doch du wirst es auch noch verstehen

und wenn es dir aufgeht

wird es dir aufgehen

wie eine Blüte von Jasmin

Jesús, Granada

eine Rolle

Theater

der Schrank

 

versteckt im Schrank

ist Carolina

und wartet auf ihren Einsatz

ein Schatzkästchen

eine Rolle mit tibetanischen Räucherstäbchen

zur Meditation

 

 

Jasmin

Bergamotte

grüne Mandarine

weißer Moschus

und Urin

ein Duftgemisch

 

 

Die Flasche mit dem bitteren Getränk

musst du schlucken

 

Weiter weiß ich nicht

nur: Die Frauen sind stärker als die Männer

ich werde dich bezwingen

oh ja, mein Bruder

du hast mich geschlagen

doch ich hab heut etwas geritzt

ich hab einen Blutsbruder

ich muss nur den Spiegel wenden

Mona Lisa, Darling

die Tore zur Welt

werden sich öffnen

und diese verdammte Jasskarte

ich weiß sie nicht

aber du wirst noch eingeschmiert

ich werd dich noch stechen

 

Papa ist ein alter Mann

aber er ist weit gekommen

und er hat eine Tochter

Savitri

Ich bin Savitri

göttlich geführt

 

400 Kühe gehen auf die Alp

wenn die Sintflut kommt

sind sie auf der hohen Ebene

 

Heute ist es nicht dein starkes Zeichen

doch du musst den Löwen besiegen

ihn ficken

weißt du?

 

 

Sag den Zodiak von hinten auf

ein leeres Blatt

en femenino

mi amor

díles todo

todo lo que hemos hecho

díles que eres mi madre

díles todo

 

 

Du wirst deine Geschichte an die Wand malen

kurz vor der Matura wirst du den Schlüssel finden

und den gibst du nicht mehr her

en Granada está el secreto

síguele, síguele hasta la muerte

 

Du hast noch ein Leben

ich bin deine Rettung

 

Sé tosca, mi niña

tosca hasta la muerte

 

Die Zukunft ist nahe

du kannst sie nicht aufhalten

sie rast

dreh die Welt um

dreh sie um

 

 

Fertigstellung

 

Lassen Sie das durchgedrehte Mädchen in Handschellen legen und bringen Sie sie ganz schnell ins Valle de Luna. Dort wird sie weitere Verrückte und den seltsamen Arzt treffen, dem sie ein Rätsel ist – doch wird er es lösen können? Weiß sie denn selber die Lösung des Rätsels, das sie ist?

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